Anlässlich Sibylle‘s 30. Geburtstages hatte ich ein Sammelgeschenk organisiert. Sie wollte schon lange einmal einen Gleitschirmflug machen. Leider hat dies bisher nicht geklappt und so kam es, dass aus dem Gleitschirmflug die Variante mit dem grösseren Adrenalinkick wurde. Phillipp (Sibylle’s Bruder) hatte vor einiger Zeit angefragt, ob wir Interesse an einem Fallschirmsprung hätten. Spontan sagten wir zu und so mussten wir nichts organisieren. Dies wurde alles von der Frau von seinem Kollegen übernommen.
Gestern war es endlich soweit und wir durften unsere Premiere bei bestem Wetter erleben. Nachdem alle Formalitäten geklärt waren, erhielten wir als erstes eine Einweisung von einem Master. Er erklärte uns, wie wir uns zu verhalten hatten. Viel muss bei einem Tandemsprung als Passagier nicht beachtet werden. Das wichtigste ist, dass beim Aussteigen die Hände an den Schultergurten liegen und die Beine unter dem Flugzeugbauch nach hinten hoch gezogen sind. Nach ca. 5 Sekunden wird der Master dann auf die Schulter klopfen und die Arme kommen nach aussen. Die Optimale Sprungposition ist dabei die einer Banane. Nach einer kurzen Trockenübung ging es dann Schlag auf Schlag. Wir mussten uns beeilen und die Anzüge fassen und uns bereit machen. Die Masters legten uns das Gurtzeug an und danach ging es zum Flugzeug.
Im Flugzeug ging es dann ganz schön eng zu und her, denn Platz ist Geld. Insgesamt waren wir zu 10. In dem kleinen Flugzeug. Vier Tandemspringer und zwei Solospringer. Das Flugzeug gewann schnell an Höhe und flog dabei in Richtung Jura. Wir überquerten den Bielersee und konnten die Aussicht von Oben geniessen. Kurz vor Tavannes flog der Pilot eine Kurve und es ging zurück in Richtung Kappelen, von wo wir gestartet waren. 4000m (4465 m.ü.M) über dem Flugplatz hiess es dann Aussteigen. Der Pilot nahm den Schub weg und segelte über der Dropzone. Als erstes „durfte“ Philipp’s Kollege aussteigen, denn er sass genau vor der Türe. Anschliessend waren die beiden Solospringer an der Reihe, welche sich kopfvoran aus dem Flugzeug stürzten. Als Tandemspringer ist dies leider nicht möglich. Als nächstes war dann ich an der Reihe. Ich setzte mich auf die Kante und wartete darauf dass uns der Master rausstösst.
Es ging nicht lange und wir befanden uns im freien Fall. Das Gefühl dabei ist unbeschreiblich. Die Beschleunigung nimmt man im ersten Moment nicht so stark wahr. Allerdings ist diese wesentlich schneller als bei jedem Sportwagen. Nach gerade mal ca. 7 Sekunden hat man eine Geschwindigkeit von 200 km/h erreicht. Zum Vergleich, gemäss Auto Motor Sport schafft der Porsche 918 Spyder mit einer Zeit von 11.8 s die Beschleunigung von 0 auf 200 am schnellsten.
Am deutlichsten wird die Geschwindigkeit beim freien Fall daran, dass das Atmen immer anstrengender wird, je länger man sich im freien Fall befindet. Aber zum Problem wird dies nicht, da der freie Fall weniger als 60 Sekunden dauert. Nach einem freien Fall von 2500m wird auf einer Höhe von 1500m beim Tandemspringen der Schirm geöffnet. Dabei gibt es noch einmal eine Beschleunigung, welche sehr deutlicher Spürbar ist. Diese Beschleunigung ist aber negativ, da der Schirm stark abbremst und ein Ruck durch den Körper geht.
Danach geht es gemütlich in Richtung Boden und man kann die Aussicht so richtig geniessen. Beim Landen muss man sich dann nochmal konzentrieren, damit die Beine genug hoch sind, so dass im Sitzen gelandet werden kann.
Trotz des hohen Preises ist ein Fallschirmsprung definitiv empfehlenswert. Es ist ein Gefühl, dass nur schwer beschrieben werden kann. Beachtet man die Preise in Relation zum Preis eines Fallschirms (25‘000 CHF) und des Flugzeugs, so relativiert sich das Ganze auch wieder etwas. Wir haben es auf jeden Fall nicht bereut! Und Fliegen ist definitiv nicht schöner ;).
Video vom Flug und dem Sprung. Am anfang etwas wackelig. Unbedingt mit Ton anschauen ;).
Weitere Bilder vom Abenteuer gibt es hier: Gallerie Skydiving
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